Der Sachverständigenrat Bioökonomie Bayern (SVB) begrüßt die neue Bioökonomiestrategie der Europäischen Kommission und sieht darin einen wichtigen Schritt für eine wettbewerbsfähige, resiliente und klimaneutrale Wirtschaft. Gleichzeitig zeigt die Stellungnahme auf, an welchen Stellen aus Sicht des SVB Nachbesserungsbedarf besteht – insbesondere mit Blick auf die Umsetzung in Bayern.
Mit der im November 2025 veröffentlichten Strategie verfolgt die Europäische Kommission das Ziel, die europäische Wirtschaft stärker auf nachwachsende Rohstoffe, Kreislaufwirtschaft und biobasierte Produktionssysteme auszurichten. Der SVB unterstützt diesen Ansatz ausdrücklich. Die stärkere Nutzung biobasierter Rohstoffe, die Förderung von Kaskadennutzung und Kreislaufwirtschaft sowie der Aufbau neuer Leitmärkte können einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz, zur Dekarbonisierung der Industrie und zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit leisten.
Gleichzeitig weist der Sachverständigenrat darauf hin, dass der Erfolg der Bioökonomiestrategie maßgeblich von den politischen Rahmenbedingungen abhängt. Biobasierte Innovationen benötigen verlässliche Märkte, investitionsfreundliche Regulierungen sowie ausreichende Finanzierungs- und Skalierungsmöglichkeiten. Nur wenn innovative Verfahren wirtschaftlich tragfähig werden, kann die Transformation langfristig gelingen.
In seiner Stellungnahme hebt der SVB zudem mehrere Herausforderungen hervor. Dazu gehören die zunehmende Konkurrenz um nachhaltige Biomasse zwischen Ernährung, Industrie, Energieversorgung und Naturschutz sowie die Notwendigkeit klarer ökologischer Leitplanken. Auch die Harmonisierung europäischer Regelwerke – beispielsweise zwischen Bioökonomiestrategie und Verpackungsverordnung (PPWR) oder bei der Ökobilanzierung biobasierter Produkte – sieht der Rat als entscheidende Voraussetzung für den Erfolg der Transformation.
Empfehlungen für Bayern
Vor dem Hintergrund der europäischen Strategie formuliert der SVB konkrete Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Bioökonomie in Bayern. Dazu gehören unter anderem:
- die Neuauflage der Bayerischen Holzbauförderung (BayFHolz) zur Förderung langfristiger Kohlenstoffspeicherung im Gebäudesektor,
- eine wissenschaftlich fundierte und harmonisierte Bilanzierung biogenen Kohlenstoffs,
- eine nachhaltige und effiziente Nutzung von Biomasse unter Berücksichtigung regionaler Gegebenheiten,
- der weitere Ausbau von Demonstrations- und Pilotanlagen sowie bessere Finanzierungsmöglichkeiten für innovative Unternehmen,
- die stärkere Berücksichtigung biobasierter Lösungen im öffentlichen Beschaffungswesen,
- der Ausbau von Aus- und Weiterbildungsangeboten im Bereich Bioökonomie sowie
- der Aufbau eines regionalen Bioökonomie- und Biomasse-Monitorings als Grundlage für politische und wirtschaftliche Entscheidungen.
Mit diesen Empfehlungen möchte der Sachverständigenrat dazu beitragen, dass Bayern die Chancen der europäischen Bioökonomiestrategie aktiv nutzt und seine Position als führender Bioökonomie-Standort weiter ausbaut.
Die vollständige Stellungnahme steht als Download zur Verfügung.

